Generalversammlung der Volksbank Westerkappeln-Wersen

„Fusion macht uns stärker, sicherer und besser“

Jahrelang war eine Fusion für die Volksbank Westerkappeln-Wersen kein Thema. Jetzt soll zum 1. Januar 2019 Hochzeit mit der Volksbank Saerbeck gefeiert werden. Vorstandsfrau Anita Kipp kam am Dienstagabend anlässlich der Generalversammlung dann doch in Erklärungszwang, warum plötzlich alles anders ist.

„Es gibt keinerlei Anlass für Fusionsgespräche.“ – So wie Jörg Wehmeier vergangenes Jahr erklärten die Vorstände der Volksbank Westerkappeln-Wersen wieder und wieder ihren festen Willen zum Erhalt der Eigenständigkeit. Mitte Februar haben die Volksbanken Westerkappeln und Saerbeck ziemlich überraschend eine Kooperationsvereinbarung besiegelt. Ziel ist ein Zusammenschluss zum 1. Januar 2019. Vorstandsfrau Anita Kipp kam am Dienstagabend anlässlich der Generalversammlung für die Volksbank Westerkappeln-Wersen dann doch in Erklärungszwang, warum plötzlich alles anders ist.

Dass eine Fusion am Widerstand der Mitglieder scheitern könnte, scheint indes unwahrscheinlich. Erforderlich ist eine Dreiviertelmehrheit der stimmberechtigten Teilnehmer einer Generalversammlung. Am Dienstag gab es jedenfalls kein kritisches Wörtchen, lediglich zwei Fragen zu Formalien wurden gestellt. Rückwirkend abgestimmt werden soll übrigens erst in einem Jahr. Bis dahin haben die Mitglieder ausreichend Zeit, Kipps Stellungnahme sacken zu lassen.

„Zum jetzigen Zeitpunkt ist es unserer Ansicht nach immer noch vertretbar, eigenständig zu bleiben. Aber wie lange noch ?“, sagte Kipp auch stellvertretend für ihren erkrankten Kollegen Wehmeier. Die Volksbank Westerkappeln-Wersen bewege sich „in einem schwierigen Umfeld unter erschwerten Bedingungen“. Kipp nannte in diesem Zusammenhang Schlagworte wie „überbordende Bankenregulierung“, „Niedrigzinsphase“ und „Digitalisierung“.

Nach dem Ableben eines der beiden Bankvorstände in Saerbeck (Albert Topphoff) im vergangenen Jahr, hatten beide Geldinstitute Fusionsgespräche aufgenommen. Dabei habe sich ergeben, dass die beiden kleinsten Volksbanken im Kreis Steinfurt eine ähnliche Ausrichtung verfolgten, erläuterte Kipp, warum ausgerechnet mit Saerbeck Hochzeit gefeiert werden soll. Beide Volksbanken seien ländlich strukturiert, fest verwurzelt in der Region und hätten gleichzeitig einen hohen Marktanteil in ihren jeweiligen Geschäftsgebieten.

Wir möchten wirtschaftlich zusammenrücken, um eine für das Bankgeschäft betriebswirtschaftliche Größe zu erreichen und um Synergieeffekte zu erzielen“, erklärte die Vorstandsfrau. Die Eigenständigkeit als regionale Genossenschaftsbank solle gesichert werden. „Die neue Bank soll durch den Zusammenschluss noch stärker, sicherer und besser werden.“ Dabei werde eine Fusion auf Augenhöhe angestrebt, versicherte Kipp.

Das neue Geldinstitut, das Volksbank Westerkappeln-Saerbeck eG heißen und den Sitz in Westerkappeln haben wird, soll von drei Vorständen gelenkt werden. Es werde keine fusionsbedingten Kündigungen geben, versprach Kipp den dann insgesamt 45 Beschäftigten, davon 35 in Westerkappeln und Wersen. Durch die geplante Verschmelzung ändere sich für die Kunden in der äußeren Wahrnehmung „fast nichts“, sie behielten ihre bekannten Ansprechpartner vor Ort. Die Filialen in Westerkappeln, Wersen und Saerbeck blieben erhalten und die Gewerbesteuer vor Ort.

Der Rest der Generalversammlung, die erstmals vom neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Roland Cizelsky geleitet wurde, war Routine, wobei Kipp im Bericht über das Geschäftsjahr 2017 teils mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten aufwarten konnte. So ist die Bilanzsumme der Volksbank Westerkappeln-Wersen gegenüber dem Vorjahr um 7,6 Prozent auf 156,2 Millionen Euro gestiegen. Im Verbund aller Volksbanken habe es nur einen Zuwachs von durchschnittlich 4,6 Prozent gegeben.

Das Einlagengeschäft stieg um 9,2 Prozent (Verbandsdurchschnitt 4,2 Prozent) auf 117,9 Millionen Euro, wobei es nach einem sprunghaften Zuwachs (+21 Prozent) der täglich fälligen Einlagen in 2016 noch einmal eine Steigerung um knapp 13 Prozent auf 57,9 Millionen Euro gab. Das Kreditgeschäft legte um 5,9 Prozent auf 114 Millionen Euro zu.

Unter dem Strich steht mit 269 000 Euro ein Bilanzgewinn, der leicht unter dem Ergebnis des Vorjahres liegt. Für die nach Bankangaben 3562 Mitglieder gibt es eine Dividende von drei Prozent je Geschäftsanteil. Der Rest des Überschusses fließt größtenteils in die Rücklagen.

Die neue Volksbank Westerkappeln-Saerbeck eG wird – basierend auf den Daten des Jahres 2017 – eine Bilanzsumme von 240 Millionen Euro haben. Gemessen an der künftigen Volksbank Münsterland Nord, die bis 2020 aus dem Zusammenschluss der VR-Bank Kreis Steinfurt mit den Volksbanken Greven und Münster entstehen soll, bleibt sie aber ein Zwerg: Der Riese wird eine Bilanzsumme von über 5,5 Milliarden Euro haben.

Westfälische Nachrichten vom 27.06.2018

Text u. Fotos von Frank Klausmeyer